Traumspringer | Alex Rühle

Lest ihr manchmal Kinderbücher? Ich finde, das ist zwischendurch mal eine schöne Abwechslung. Und ich kann das Buch guten Gewissens an meine kleine Schwester weitergeben. Neulich habe ich mal wieder eines gelesen.

»Es war auch keine Tür hinter mir zugefallen, eigentlich hätte man doch das Klassenzimmer sehen müssen oder diesen Morpheus, aber da war nur Dunkelheit und glänzender Stein und – Atem. Ganz in meiner Nähe. Da atmete jemand! Über mir. Hinter mir. Vor mir. Es war, als ob der Atem aus dem Fels um mich herum kommen würde. Oder als ob die Dunkelheit atmete. Und als ob mich dieser dunkle Atem belauschte. Als ich selbst kurz aufhörte zu atmen, war nichts mehr zu hören. Sobald ich weiteratmete, hörte ich auch den fremden Atem wieder. Ich musste hier raus.«

Dass Träume wichtig sind für uns Menschen weiß vermutlich inzwischen jeder. Aber wer passt eigentlich auf unsere Träume auf, denn die meisten haben wir ja wieder vergessen, wenn wir aufwachen. Wie Leon eines Tages oder besser gesagt eines Nachts erfährt, ist das Morpheus mit seiner Schwester Ophra und eigentlich auch seinem Bruder Krato. Doch der ist mal wieder verschwunden, und das kann nichts Gutes bedeuten. 

DTV-VERLAG

GEBUNDENE AUSGABE
KINDERBUCH
256 SEITEN
ERSTERSCHEINUNG: 28.02.2019
14,95 €

»Aber warum ausgerechnet mich? Oder war unsere Begegnung im Zoo doch Zufall gewesen? Und hatte ich das Ganze nur geträumt? Aber der Sand in unserer Wohnung… Und an den Traum erinnerte ich mich noch so klar wie an den Tag zuvor: der Tunnel, der Atem im stockdunklen Fels, das gruselige Gefühl als ich mich selbst im Bett gesehen habe, Morpheus´ Erschrecken, als ich ihm davon erzählte – das alles hatte sich wirklich genauso angefühlt wie vorher der Besuch im Zoo oder wie der Moment, als wir von Herrn Pallenberg umgesetzt worden waren.«

Kann es nicht sein, dass uns unsere Träume abhanden gekommen sind? Die Fähigkeit das Gute zu sehen. Wir sind in unserer Mühle gefangen. Viele tun nur das was sie vermeintlich tun müssen, nicht was sie wollen, jagen den Träumen anderer hinterher. Vielleicht ist es Zeit, dass wir uns wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Das ich es gerade zu Zeiten dieser schlimmen Krise geschafft habe dieses Buch zu lesen, ist das nicht irgendwie bezeichnend? Krato ist offenbar wieder da und wir müssen alle zusammen helfen, um ihn zu besiegen!

»›Was Krato genau will, kann ich dir auch nicht sagen‹, sagte Morpheus. ›Aber ich weiß, dass ihr Menschen eure Träume dringend braucht. Ihr habt keine Ahnung, wie wichtig sie für euch sind. Weil ihr sie tagsüber vergesst. Dabei ist es, als hätte jeder von euch einen Schatz unter seinem Haus liegen. So was wie eure heimliche Fußbodenheizung. Die ist unsichtbar. Aber ihr wärmt euch trotzdem daran. Genauso wärmt sich euer Leben auch an euren Träumen. Selbst wenn ihr im Alltag nichts davon mitbekommt.‹ ›Und wenn wir keine Träume mehr haben?‹ Morpheus warf zwei Regalbretter ins Feuer, aus der Glut sprühen Funken empor. Dann sagte er: ›Merkst du, wie kalt es jetzt hier unten ist? Ohne eure Träume ist das Leben wie ein eiskalter Steinfußboden. Man kann ein Weile überleben. Aber es ist scheußlich. Als würde euch alle Nahrung fehlen. Als Kratz schon mal zu euch rüberkam, ist nach kurzer Zeit die Pest ausgebrochen. Da sind Hunderttausende gestorben.‹«

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht dieses Buch zu lesen, auch wenn ich eigentlich schon viel zu alt dafür bin. Ich habe richtig mitgefiebert und kann das Buch nur empfehlen!

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